Neulich in der Bäckerei konnte ich kaum glauben, was ich da gerade erlebte. Schon beim Reinkommen fielen mir die vielen kleinen Zucker-Weißmehl-Teilchen-Tüten vom Vortag auf. Sie waren zu Zehnt in billige Plastikbeutel verpackt, zugeknotet, mit einem Preisschild versehen, auf dem 0,50 geschrieben stand, und dann auf die Ladentheke gestapelt. Kauft doch keiner mehr, dachte ich. Ich bestellte mein geliebtes Möhren-Dinkel-Vollkornbrot, und noch ehe ich bezahlen konnte, schlug die Ladentüre auf, eine Wagenladung Kids fiel in den Shop ein und kaufte alle Teilchen für kleines Geld.

Ich muss wohl sehr erstaunt geblickt haben, und so erklärte die Verkäuferin gleich den soeben erlebten Deal: „Die müssen zur Schule und wir verpacken immer die süßen Sachen von gestern und geben sie günstig ab. So haben die Kinder was Gutes für die Pausen und wir müssen nichts wegwerfen – eine Win-Win-Situation.“  Mir blieb die Sprache weg. So

sieht hier also eine Brotdose aus! Ich bezahlte und verließ den Laden. Da ist aber jetzt mal eine Weiterbildung fällig, dachte ich.

Jetzt Lebensstil ändern

Wissen die Leute wirklich so wenig über Krankheiten, die ganz klar ernährungsbedingt sind? So eine Dröhnung Zucker und Weißmehl pusht nicht nur den Blutzuckerspiegel nach oben und treibt damit die Bauchspeicheldrüse zu immer mehr Insulinproduktionen. Sie ist auch mitverantwortlich für unsere Zivilisationskrankheiten, ganz zu schweigen davon, was der Zahnarzt dazu sagt. Es gibt mittlerweile Selbsthilfegruppen mit Diabetes 2, bei denen die Mitglieder unter 20 Jahre alt sind. Ich meine die Erkrankung, die man früher Altersdiabetes nannte. Wissen die Eltern das? Dazu kommt noch, dass es nicht nur Weißmehl und Zucker ist. Da haben wir es mit einer Fraktion von Backtriebmitteln zu tun, die nicht zu unterschätzen ist.

Ein Hackbraten ist auch kein Hackbraten mehr, eine Bratwurst keine Bratwurst. Hinzu kommt noch, dass für diese fleischigen Artikel an finsteren Orten monatelang gelitten wird. Unsere Ernährungsberater klären seit 30 Jahren auf – die Beweislage ist erdrückend. Lediglich findige Rechtsabteilungen und Lobbyisten verhindern eine breiter angelegte Öffentlichkeitsarbeit seitens der zuständigen Behörden.

Wir als Ernährungsberater sollten die Menschen beim Einkaufen begleiten. Wir sollten aber vielleicht nicht immer nur auf das Etikett hinweisen und erklären, was sich hinter den ganzen Bezeichnungen verbirgt. Das langweilt ja und das wissen die Erzeuger. Wir sollten besser laut aufschreien im Supermarkt, wenn unsere Ratsuchende nach der „Grillpfanne Mexico für 2,99“ greift. Nach einer Weile würde dann wahrscheinlich aus dem Supermarkt-Lautsprecher das gefürchtete „24 an 18“ oder „100 an 22“ ertönen, was entweder die Sicherheitskräfte oder den Privatdetektiv in die gewünschte Abteilung schickt. Der Ernährungsberater würde aber nicht aufhören zu schreien, solange seine Klientin die Grillpfanne in der Hand hält. Sind dann genug Kunden im Kaufhaus aufmerksam geworden, würde er sich schreiend in einen Einkaufswagen stellen und wie in London an „Speaker´s corner” eine Grundsatzrede beginnen, dass das Leben der Grillhähnchen höchst unerfreulich vor ihrer Schockfrostung war, das der Schweine sogar eine Sauerei.

Darf man Tiere eigentlich essen? – müsste man fragen, und wahrscheinlich würde ein kleiner Junge bei einer Brandrede für Biofleisch laut fragen, warum denn gerade die glücklichen Tiere gegessen werden sollten, wo man doch die unglücklichen erlösen könnte …

Wieso genügt es eigentlich nicht, dass wir von den Zuständen in industriellen Mastbetrieben wissen?

Die Fachleute spekulieren und eines ist mir längst klar: Die Routine, Fleisch zu essen, ist schon von Kindesbeinen an verankert – lange bevor wir von den Grausamkeiten in der Massentierhaltung erfuhren. Ich persönlich hatte schon Fleisch gegessen, bevor mir überhaupt klar war, dass es sich dabei um ein Stück totes Tier handelt. Gewohnheit ist eine Gehirnwäsche, in die man allmählich hineinschlittert, Tag für Tag, und die einem eine hervorragende Imprägnierung gegen das vernünftige Denken verleiht. Irgendwie geht das dann in Ordnung, weil ja auch alle anderen Menschen im Supermarkt abgepackte Ware kaufen. Außerdem erinnern wir uns an die letzte Grillpfanne Mexico (leckeres Abendessen – wieder kaufen). Das Bewusstsein für das Einschalten einer Lebensstiländerung ist im Supermarkt echt anstrengend und wird als Energieverschwendung eingestuft, weshalb die meisten Menschen den Einkaufswagen wie in Trance schieben.Aber wie viele ernährungsbedingte Krankheiten müssen denn noch entstehen?
Genügt es nicht, wenn Hähnchen in Quetschhaltung zu 49 kg pro qm in ihrem eigenen Dreck aufgezogen werden?
Menschen feiern weiter Grillpartys, verkaufen Hedgefonds, bringen Pflanzen in arme Länder, die kein Saatgut liefern, betrügen ihre Ehepartner, manipulieren andere oder tricksen sie aus, knabbern an Snacks rum, die so verseucht sind, dass man die Packung gleich mit essen könnte.Ein Kind merkt, wenn seine Eltern in so guter Laune sind, dass sich die Frage nach einer Taschengelderhöhung lohnen könnte. Ein geschickter Verkäufer weiß nicht nur, was seine Kunden allgemein gern hören, sondern findet instinktiv auch die jeweiligen Schwachstellen heraus, um dann auf der richtigen Klaviatur zu spielen und sein Produkt zu verkaufen. So weit, so vorteilhaft. Wie wäre es denn mit Empathie und Mitgefühl für sich und andere? Das wird manchmal schlampigerweise gleichgesetzt, als gäbe es keinen Unterschied zwischen der Fähigkeit, sich in sich selbst oder jemanden einzufühlen, und dem Impuls, etwas gegen das eigene Leid oder das der anderen zu tun.

Es ist längst keine Frage von Ressourcen mehr, für gesunde Ernährung weltweit zu sorgen. Es ist eine Frage des Bewusstseins. Man muss es wirklich wollen, den Hunger in der Welt abschaffen und sich selbst auf 100 Lebensjahre programmieren. Die Absicht, dies zu tun, ist entscheidend.

Sie tricksen sich doch im Grunde selbst aus, wenn Sie im Supermarkt zu einer Packung Fleisch in der Aluminiumschale greifen, mit Tieren, die viel zu schnell gewachsen sind und die Hölle durchgemacht haben, sich entsprechend mit einem Cocktail von Angsthormonen aufpumpten und diese jetzt an sie weitergeben.

Fazit

Wer heute in den 50ern ist, sollte dringend über eine Ernährungsumstellung nachdenken, denn die Zipperlein, die kommen jetzt. Ernährungsweise und Lebensstil tragen dazu bei, Sie in die eine oder andere Richtung zwischen gesund und krank zu bringen. In diesem Sinne: Wagen Sie den Sprung zu mehr Gesundheit und lassen Sie den Müll in den Regalen!

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